Hort?! Was ist das?

Hort?! Was ist das?

Wenn man über archäologische Themen für Nicht-ArchäologInnen schreibt, ergeben sich ganz neue Fragestellungen. Wie zum Beispiel:

„Äh… Was ist denn das überhaupt: Hort?“

Naja, das ist… Also, damit meint man… Okay, ich hole etwas weiter aus. Solche Begriffe gehören so sehr zum archäologischen Alltag, dass ich vor dieser Frage gar nicht daran dachte, ihn zu erklären. Das ist übrigens überhaupt nicht überheblich gemeint, sondern die explizite Aufforderung solche Fragen zu stellen. Genau für so etwas ist der Blog gedacht!

Bei Horten denken die meisten vielleicht an den Kinderhort. Oder auch an die Geschichte mit dem Drachen. Und ganz so abwegig ist das gar nicht. Für ArchäologInnen sind Horte neben Gräbern und Siedlungen eine der wichtigsten Fundkategorien. Einfach gesagt gilt als Hort, wenn zwei oder mehr Gegenstände zusammenhängend gefunden wurden und dabei keine Bestattungsspuren beobachtet werden konnten.

Ein Schatzversteck fällt also darunter. Auch Diebesgut, das vor anderen geheim gehalten werden sollte, wäre nach dieser Definition ein Hort. Da passt also der Drachenhort ganz gut. Allerdings fallen auch Weihegaben an überempirische Mächte unter diese Definition. Aus dem Grund verwenden einige ArchäologInnen lieber neutrale Begriffe wie Depot, Deponierung oder ähnliche. So hält begrifflich man erstmal offen, warum  jemand diese Dinge verbuddelt oder im See versenkt hat.

Dieses „Warum?“ ist bei Horten nämlich der große Knackpunkt. Es gibt viele Erklärungsansätze, die auf den ersten Blick sehr schlüssig wirken. Das Gefäß voller Münzen ist das versteckte Vermögen einer Person, die leider starb, bevor sie es bergen konnte. Dieser Hort erzählt uns also dann etwas über unruhige Zeiten oder Kriege. Die Bronzebeile im Moor sind Opfergaben an eine Unterweltsgottheit und verraten uns etwas über die Glaubensvorstellungen der Menschen. Oder sind die zerschlagenen Sicheln auf dem Bergsporn in Wirklichkeit das Rohmaterial eines Bronzegießers und erzählen uns vom Handwerk vergangener Tage? Ja, was denn nun? Tatsächlich gäbe es für jeden dieser drei Horte auch eine Vielzahl alternativer Erklärungen.

Das Deuten von Horten wird sehr schwer, wenn man versucht eine Erklärung zu finden, die alle Horte einschließt. Der Hortbegriff ist nunmal ein moderner technischer Begriff, der möglicherweise Dinge und Kontexte unter sich zusammenfasst, die den zeitgenössischen Menschen total unterschiedlich vorgekommen sind. Trotzdem ist die Forschung aber nicht völlig hilflos. Denn es gibt bestimmte Muster, die zu bestimmten Zeiten regional vergleichbar sind. Das kann die Objekte betreffen, die niedergelegt werden, aber auch wie und wo niedergelegt wird. Diese Regelhaftigkeiten sind ein Beleg dafür, das Deponierungen eine kulturelle Handlung waren.

Im Laufe der Mittelbronzezeit und bis ans Ende der Urnenfelderzeit (etwa 1600 – 800 v. Chr.) entwickelt sich eine regelrechte Hortsitte, bei der vor allem (absichtlich) zerbrochene Gegenstände aus Bronze niedergelegt wurden. Da Bronze einen ziemlich großen Wert darstellte, könnte man hierin ein verstecktes Vermögen sehen. Oder auch „Brucherz“, also eine Rohstoffsammlung, die nur auf den Schmelztiegel wartet. Aber könnte sich die Deponierung nicht auch durch den immanente Wert gut als ein Geschenk an einen überempirischen Akteur eignen? In dem Fall könnte man in der Zerstörung der Objekte den Versuch sehen, sie für immer der diesseitigen, profanen Welt zu entziehen.

Zwischen diesen drei Polen sucht auch der Hort von Wattenheim seine Deutung. Was wird am Ende am glaubhaftesten erscheinen? Das weiß ich selbst erst in einigen Monaten..

Abbildung: „Le trésor enfoui“, James Tissot

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Zweitprüfer gesucht

Zweitprüfer gesucht

Eines der schwierigsten Probleme in der Anfangsphase einer Abschlussprüfung ist das Finden passender Prüfer. Nicht nur, dass man als Studierender zu dem Zeitpunkt das Thema noch nicht richtig überblickt, man muss gleich zwei Personen finden, die dazu passen, denen man eine Betreuung anvertrauen würde, die den Job auch übernehmen würden UND die den Anforderungen der Prüfungsordnung entsprechen.

Prüferinnen oder Prüfer sind Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer, Habilitierte, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Aufgaben gemäß § 56 Abs. 1 Satz 2 HochSchG, Lehrbeauftragte gemäß § 63 HochSchG sowie Lehrkräfte für besondere Aufgaben gemäß § 58 HochSchG sowie Emeriti und Professorinnen und Professoren im Ruhestand. Honorarprofessorinnen und Honorarprofessoren sowie in der beruflichen Praxis erfahrene Personen gemäß § 25 Abs. 4 Satz 2 HochSchG können durch Beschluss des zuständigen Prüfungsausschusses auf Vorschlag des Fachbereichsrats zu Prüferinnen oder Prüfern bestellt werden. Als Prüferinnen oder Prüfer für eine Fachprüfung kann nur benannt werden, wer in dem Fach, in dem die Prüfung abgelegt wird, eine Lehrtätigkeit an einer Hochschule ausübt oder in den zurückliegenden vier Semestern ausgeübt hat oder über nachgewiesene einschlägige berufspraktische Erfahrungen verfügt.

Mein Erstprüfer stand für mich sehr schnell fest. Professor Pare hatte mich bereits während der Bachelorprüfung begleitet und gute Hilfestellungen geliefert. Aber in so einem kleinen Institutsfachbereich wie der Mainzer Vor- und Frühgeschichte gleich zwei Forscher zu finden, die die gleichen Themenfelder beackern, ist nicht so leicht. Deshalb erscheint es naheliegend nach einer Person in Speyer zu suchen, wo der Fund liegt, oder beim RGZM, wo Untersuchungen stattfinden sollen. Das hat auch den entscheidenden Vorteil, dass man sich aus dem heimischen Institutsnest herauswagen kann/muss, aber natürlich auch das Risiko, dass man die Person dann möglicherweise nicht so gut kennt und einschätzen kann.

Abbildung: Wokandapix

Portrait eines Horts

Portrait eines Horts
Sprater
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Der Hort von Enkenbach-Alsenborn… oder Fischbach… oder Ramsen… oder welchem Ort man ihn auch immer zuordnen will (momentan halte ich mich an Wattenheim) besteht aus einer Reihe an unterschiedlichen Metallgegenständen. Dazu gehören Waffen, wie Schwerter aus Bronze und Eisen. Diese folgen einem Schema, das typisch für die Hallstattzeit ist und ein bisschen an Bilbos Stich erinnert. Außerdem noch zwei Lanzen, eine aus Eisen, eine aus Bronze.

Das Werkzeug gehört im weiteren Sinn in den Kontext der Holzbearbeitung, also Tüllenmeissel und Beile. Eines der Beile hat eine Verzierung, die vielleicht aus England stammt. Außerdem unterschiedliche Messer und vielleicht Bruchstücke einer Sichel.

Etwas kurios für uns moderne Menschen ist die Fleischgabel. Solche Geräte wurden anders als heute wohl nicht am Tisch benutzt, sondern gehörten zum Kochgerät. Damit könnte beispielsweise gekochtes Fleisch aus einem Kessel gefischt worden sein.

Gekochtes Fleisch und englische Beile. Der Plot verdichtet sich. Nur wie weise ich die Minzsoße und lagefischtuwarme Cervisia nach?

Die Gefäßbruchstücke kann ich noch nicht wirklich ansprechen, aber die Ω-förmigen Henkel sprechen für eine Bronzesitula, möglicherweise ein Weinmischgefäß. Solche Gefäße wurden aus dem italischen Raum über weite Strecken gehandelt.

Na gut, doch keine Engländer, aber immerhin Gelage mit Kesselfleisch und Wein.

Stehen diese Gegenstände in irgendeiner Beziehung zueinander? Oder ist die Zusammenstellung Altmetallrecycling und deshalb einfach zufällig?
Das wird sich erst noch zeigen.

Abbildung: Sprater 1939

Vor Ort: Der Fund im Museum

Vor Ort: Der Fund im Museum

Am 9. März trafen Professor Pare und ich im Museum in Speyer auf Lars Börner, den Sammlungsleiter der Urgeschichte. Er führte uns zur Vitrine, in welcher der Fund aufbewahrt wird und stand eine Weile für Fragen zur Verfügung.

Der Fund stellte sich als umfangreicher heraus, als er auf der Zeichnung Spraters gewirkt hat. Einige Stücke hatten in echt auch eine etwas andere Formwirkung. Das könnte womöglich daran liegen, dass Sprater bei seiner Publikation auf Querschnitte verzichtet hat. Möglicherweise werde ich das bei der Dokumentation nachholen müssen. Als Gedankenstütze machte ich einige Fotos vor Ort, die ich hier allerdings vorerst nicht teilen kann, um das Urheberrecht des Museums zu wahren.

In jedem Fall hat der nähere Blick auf die Originale das Interesse an dem Fund nur vergrößert. Es bleiben jedoch viele offene Fragen:

  • Macht eine naturwissenschaftliche Untersuchung einzelner Teile Sinn? Wenn ja, welche?
  • Wurde eine Metallanalyse an einigen Stücken durchgeführt, wie Bohrlöcher nahelegen?
  • Was steht in den Ortsakten des Museums und des Landesamts für Denkmalpflege zu dem Fund?
  • Wäre es möglich die Blechstücke einzelnen Gefäßen zuzuordnen?
  • Macht eine Dokumentation mit dreidimensionalen Messverfahren (wie beispielsweise SfM) Sinn?

Außerdem wird es nun, da das Thema konkret geworden ist, Zeit die Prüfung bei der Universität anzumelden. Dazu muss noch ein Titel und ein Zweitprüfer gefunden werden.

Abbildung: Connie58

Die Vorarbeiten beginnen

Die Vorarbeiten beginnen

Auf die Idee, dieses Thema zu bearbeiten, brachte mich ein Hinweise von Prof. Dr. Christopher Pare. Ich hatte ihn um Hilfe gebeten, nachdem das Thema, welches ich zunächst zur Master-Thesis erarbeiten wollte, aus unterschiedlichen Gründen vom Tisch war. Herr Pare gab mir den Artikel „Ein Hortfund der Hallstattzeit vom Forsthaus Schorlenberg bei Alsenborn (Pfalz)“ von Friedrich Sprater aus der Germania von 1939 zu lesen, in dem eine Metalldeponierung beschrieben wurde, die beim Bau der Reichsautobahn Kaiserslautern-Grünstadt entdeckt wurde.

Diese weckte mein Interesse, weil sie ein wenig aus dem Rahmen fiel. Die enthaltenen Objekte (Beile, Meissel, Schwerter, Messer und eine Fleischgabel) schienen mir auf den ersten Blick eher untypisch zusammengestellt. Besonders aber interessierte mich das 3 kg schwere Konvolut von teilweise gefalteten und geschmolzenen Bronzeblechstücken, die offenbar zu Bronzegefäßen gehörten.

Der erste Arbeitsschritt bestand nun darin, eine Literaturliste zur Recherche zusammenzustellen. Dazu suchte ich in unserem Universitätskatalog, in Google, Duckduckgo, BASE und Academia nach den entsprechenden Schlagworten „Alsenborn“, „Schorlenberg“ und ebenso nach „Vorgeschichte Pfalz“, um den Kontext des Funds besser zu verstehen. Die Notizen zu diesen Texten halte ich in meinem Wiki fest, während ich sie bearbeite.

Schnell stellte ich fest, dass der Fundort offenbar genau an den Grenzen mehrerer Orte liegt und unterschiedliche Publikationen deshalb die Objekte immer wieder unter einem anderen Schlagwort aufführten: Alsenborn, Enkenbach, Wattenheim, Fischbach, Ramsen.. Diese Vielfalt wird die Recherche deutlich erschweren. Aber nun hieß es erstmal lesen, lesen, lesen.

Abbildung: Gellinger